Man spricht von Primärlegasthenie und/oder Primärdyskalkulie, wenn sich bei einem Kind (oder Erwachsenen) bestimmte Auffälligkeiten vor allem dann zeigen, wenn es direkt mit Buchstaben- oder Zahlensymbolen arbeitet – also beim Lesen, Schreiben oder Rechnen.
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Typische Beobachtungen
- Zeitweise Unaufmerksamkeit beim Lesen, Schreiben oder Rechnen (häufig situationsgebunden, nicht „immer“)
- Differente Sinneswahrnehmungen (z. B. visuell, auditiv, räumlich), die für Schrift und Zahlen noch nicht ausreichend geschärft sind
- Wahrnehmungsfehler, die aus diesen unscharfen Wahrnehmungen und der daraus folgenden Unaufmerksamkeit entstehen können
Wichtig: Schwierigkeiten in diesen Bereichen bedeuten nicht automatisch mangelnde Intelligenz oder fehlenden Fleiß. Viele Betroffene sind durchschnittlich oder überdurchschnittlich intelligent, erleben aber beim Umgang mit Symbolen (Buchstaben/Zahlen) besondere Herausforderungen.
Mögliche Ursachen
Legasthenie und Dyskalkulie werden häufig als angeborene, genetisch mitbeeinflusste Veranlagungen beschrieben. Entwicklungsprozesse im Gehirn können dabei beeinflussen, wie Sinnesinformationen verarbeitet werden.
Pädagogische Einordnung (nach Dr. Astrid Kopp-Duller)
In der pädagogischen Perspektive wird beschrieben, dass Betroffene bei grundsätzlich guter Intelligenz Informationen teils anders verarbeiten – und dass die Aufmerksamkeit beim Kontakt mit Buchstaben oder Zahlen nachlassen kann. (vgl. Kopp-Duller, 1995 / 2010)
Kurzgedanke (sinngemäß): „Bei Buchstaben und Zahlen lässt die Aufmerksamkeit nach – das erschwert Lesen, Schreiben und Rechnen.“
Was hilft? Früh erkennen – gezielt unterstützen
Wenn ein Kind insgesamt wach und begabt wirkt, aber beim Lesen, Schreiben oder Rechnen unerwartet große Probleme hat, sollte man nicht abwarten nach dem Motto: „Das gibt sich schon.“
Je früher passende Unterstützung beginnt, desto besser – bevor sich Sekundärprobleme (Frust, Angst, Selbstwertthemen) entwickeln.
1) Pädagogisch-didaktische Ebene (Schule & Zuhause)
In Schule oder Zuhause werden Schwierigkeiten meist zuerst bemerkt. Entscheidend ist, dass:
- Lehrkräfte und Eltern Beobachtungen gegenseitig ernst nehmen,
- man nicht vorschnell bewertet, sondern gezielt hinschaut,
- das Kind Verständnis und konkrete Hilfen bekommt – denn allein kann es die Ursache nicht „wegtrainieren“.
Lehrkräfte können im Unterricht unterstützen – aber oft nur begrenzt, weil Förderung sehr individuell sein muss. In vielen Fällen ist zusätzliche, spezialisierte Unterstützung sinnvoll, damit echte Fortschritte möglich werden.
Viele Betroffene profitieren besonders von gezielter, individueller Förderung durch entsprechend qualifizierte Legasthenie- oder Dyskalkulietrainer.
Wichtig: Grundlage sollte ein pädagogisches Testverfahren zur Feststellung und Kategorisierung sein, weil Ausprägungen sehr unterschiedlich sind – und Förderung nur dann wirklich wirkt, wenn sie passgenau ist.
2) Psychologische & medizinische Ebene
Werden Schwierigkeiten nicht rechtzeitig erkannt, kann sich aus einer Primär-Legasthenie/Dyskalkulie eine Sekundär-Legasthenie/Dyskalkulie entwickeln – dann kommen zur ursprünglichen Problematik zusätzliche Belastungen dazu (z. B. Frustration, Überforderung, Stresssymptome).
Mögliche Auslöser oder Verstärker solcher Sekundärprobleme können sein:
- dauernde Überforderung und wiederholte Misserfolgserlebnisse
- Seh- oder Hörprobleme
- körperliche Einschränkungen
- Sprachauffälligkeiten
- familiäre Belastungen (z. B. Trennung, Konflikte)
- ungeeignete Unterrichtsmethoden
Klarstellung: Primäre Legasthenie/Dyskalkulie ist keine Krankheit. Entscheidend ist in erster Linie eine fachkundige pädagogisch-didaktische Förderung – und bei zusätzlichen Belastungen dann ergänzend passende Unterstützung.
Nächster sinnvoller Schritt
Wenn Sie bei Ihrem Kind (oder bei sich selbst) mehrere dieser Anzeichen wiedererkennen, empfehlen wir:
- Beobachtungen sammeln (Wann tritt es auf? Wobei genau? Wie stark?)
- Pädagogische Diagnostik durchführen lassen
- Danach individuelle Förderung starten – zielgerichtet, planvoll, nachvollziehbar
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